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Lexikon.
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die
Bürger waren in den Städten des Mittelalters der sogenannte "dritte
Stand" (neben
Adel und
Geistlichkeit) und bildeten als Handwerker, Händler und Kaufleute das
Bürgertum. Diese soziale
Gruppe bestand aus Zulieferern der Burgen (Burg, Burger,
Bürger), die sich in langen Auseinandersetzungen vom Burgadel
freimachten; sie bestand weiter aus Ansiedlern an günstigen Stellen wichtiger
Handelswege, oft in Siedlungen, die ursprünglich schon von den Römern in Europa
angelegt worden waren. Dieses städtische
Bürgertum sammelte durch Handwerksmonopole (
Gilde,
Innung,
Zunft) und
Handel
Kapital und wurde zunehmend konkurrenzfähig gegenüber dem
Adel. Auch
Bildung und Informiertheit wurden größer. Weil es dem
Bürgertum auf friedlichem Wege nicht gelang, dem
Adel seine von ihm gehüteten Vorrechte zu nehmen, die ihm ja auch
wirtschaftliche Vorteile einbrachten, spitzte sich die Lage zwischen beiden
Gruppen bis zu den bürgerlichen Revolutionen gegen Könige und
Adel zu. In ihnen setzte sich das Freiheits- und Geldinteresse gegen
das Traditionsinteresse durch. Damit war der frühkapitalistische (
Kapitalismus)
Bürger zwischen zwei Fronten geraten (
Zweifrontenschicht): Während er gegen den
Adel die
Menschenrechte auf freie Entfaltung ins Spiel brachte, mußte er
gleichzeitig und zunehmend diejenige
Gruppe abwehren, die diese Chancen auch für sich beanspruchte und zum
Beispiel die Französische
Revolution mitgetragen hatte: das
Proletariat. Dieser "vierte"
Stand war eine Folgegruppe früherer städtischer und bäuerlicher
Armutsgruppen, die mit der beginnenden kapitalistischen
Industrialisierung anwuchs. Gegen eine Beteiligung dieser
Lohnarbeitergruppen an
Macht,
Freiheit und Profit entwickelte das
Bürgertum daher schon früh (in England im 16. Jahrhundert) eine
Ideologie des Privateigentums (
Eigentumsideologie). Dieses wurde nunmehr als Grundlage und
Voraussetzung derjenigen Persönlichkeitsentfaltung angesehen, die erst dazu
befähigte,
Bürger und Wähler zu werden, beziehungsweise Gewählter (im
bürgerlichen
Parlament). Wer kein Eigentum (an Boden, Häusern oder
Produktionsmitteln) besaß, durfte (und sollte) kein
Bürger sein. Der Ende des 18. Jahrhunderts (in England 1791)
einsetzende Kampf der Arbeiterschaft gegen diese Privilegierung der
Bürger und gegen diesen Mißbrauch der "
Menschenrechte für alle" führte zur modernen
Demokratie mit freiem, allgemeinem und geheimem Wahlrecht, baute
allerdings Besitz- und Einkommensvorteile nur unzureichend ab. Trotzdem meint
der Begriff "
Bürger" heute in den Industrienationen alle Menschen dieser Staaten.
Bildungsbürgertum,
Bourgeoisie,
Kleinbürgertum
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1999 - bearbeitet am: 05.07.1999