1. Einleitung

 

 

Nach der Reichsgründung 1871 nimmt im deutschen Kaiserreich das Interesse an der bildenden Kunst sprunghaft zu: Kunstausstellungen werden zu Massenattraktionen, Kunst- und Museumsvereine erfreuen sich wachsender Beliebtheit, Kunstkritik wird ein immer wichtigerer Bestandteil von Zeitungen und Zeitschriften, und überall werden neue Kunst- und Kunstgewerbemuseen gegründet. Gleichzeitig überstürzen sich die Entwicklungen im Bereich der bildenden Kunst selbst. In kürzestem Abstand werden neue, miteinander konkurrierende Ästhetikkonzepte vorgestellt. Neben dem immer noch vorherrschenden Idealismus suchen ebenso Realismus, Impressionismus und Expressionismus ein Publikum. Die heftigen ästhetischen, aber auch sozialen und politischen Auseinandersetzungen, die um die in Streit miteinander liegenden, unterschiedlichen Stilrichtungen entstehen, sind Thema dieser Arbeit.
Als wichtigste Voraussetzung für den ausserordentlichen Aufschwung der bildenden Künste im 19. Jahrhundert in ganz Europa muss die Entstehung eines bürgerlichen Kunstmarktes angesehen werden. Schon seit dem 16. und 17. Jahrhundert etabliert sich neben den fürstlichen und kirchlichen Auftraggebern langsam eine neue Konsumentenschicht für Kunstprodukte, das gebildete Bürgertum. Parallel zu dieser Entwicklung entstehen zwei neue Institutionen, die Kunstkritik als zuständige und meinungsbildende Urteilsinstanz und das Ausstellungswesen.  Seit dem 17.Jahrhundert gibt es in Holland einen öffentlichen Bildermarkt, in Paris wird 1725 der erste Salon gegründet und 1786 findet auch in Berlin die erste öffentliche akademische Ausstellung statt. Die bildende Kunst entwickelt  sich von einer höfischen Repräsentationsform zu einer allgemein zugänglichen kulturellen Leistungsshow.
1 Gleichzeitig ermöglicht die neue Öffentlichkeit einen Zugewinn an Publikum und potentiellen Käufern und eine Öffnung der bildenden Kunst gegenüber dem Bürgertum.
Diese sich entwickelnde neue Beziehung zwischen den gebildeten Bürgern und den Künstlern hat entscheidende Folgen für die zukünftige Orientierung der bildenden Kunst. Für den Künstler selbst bedeutet die Entstehung eines bürgerlichen Kunstmarktes die Möglichkeit, frei, das heisst ohne genaue Ausführungsvorschriften arbeiten zu können; gleichzeitig aber hat er keine sicheren Abnehmer mehr für seine Kunst und ist gezwungen, sich nach dem Geschmack des bürgerlichen Publikums zu richten. Daher gewinnt das Bürgertum mit dem stetigen Zurücktreten fürstlicher und kirchlicher Auftraggeber einen so gewichtigen Einfluss auf Malerei und Plastik, dass den bildenden Künsten nun völlig neue Aufgaben zugeschrieben werden können: die bildende Kunst als Erscheinung der bürgerlichen Welt wird Träger der Ideen des deutschen Idealismus. Nicht mehr durch Repräsentations- und Selbstdarstellungszwecke gebunden avanciert Kunst zum Vermittler ästhetischer und ethischer Ideale.

Johann Joachim Winckelmann hat 1766 zum ersten Mal diese neue didaktische und moralische Aufgabe der bildenden Kunst als sittliche Hebung des Individuums und - daraus folgend - des nationalen Charakters definiert.2 Mit Winckelmann wird der Kunst auch erstmals eine ideologische Rechtfertigung für ihr steigendes soziales Prestige gegeben. Aus einem Luxusartikel entwickelt sich die bildende Kunst zu einem elementaren Bestandteil der humanistischen Bildung, indem ihr durch die Darstellung des Guten, Wahren und Schönen ein Einfluss auf die sittliche, intellektuelle und ästhetische Entwicklung des Menschen zugeschrieben wird.
In diesem Sinne wird die bildende Kunst von den  "Grenzboten" dahingehend definiert, dass sie "...weder das Monopol einer Zunft von Kennern und Kritikern noch ein 'müssiger Zeitvertreib der Reichen und Vornehmen', sondern ein unauslöschliches Bedürfnis und ein unverlierbares Eigenthum des menschlichen Geistes überhaupt ist: die Blüte des ganzen Kulturlebens, welche im Kampfe der sich kreuzenden Interessen des Tages immer wieder die Gewissheit der in sich befriedigten Vollendung des menschlichen Daseins wenigstens im Bilde gibt."
3 Kunstgenuss ermöglicht demnach dem individuellen Betrachter eine positive Identifikation mit den bürgerlichen Kulturwerten und bietet gleichzeitig Kompensationschancen für alltägliche, gesellschaftliche Konflikte. Die bildenden Künste werden zu einem Raum der Selbsterfahrung und der Realitätsbewältigung.4

Anschaulich zeigt das "Grenzboten" - Zitat die besondere Bedeutung der bildenden Kunst innerhalb der bürgerlichen Kultur. Kultur – hier im ethnologischen Sinne - hat an sich schon eine zentrale Stellung bei der Definition und Abgrenzung der heterogenen Klasse des Bürgertums, da nur die gemeinsame Kultur die unterschiedlichen Gruppierungen des Besitz- oder Wirtschaftsbürgertums und des gebildeten Bürgertums verbindet.

Die bildende Kunst aber spielt als zentrales Moment dieser bürgerlichen Kultur eine besondere Rolle. Denn sie ist - wie aus dem "Grenzboten" - Zitat hervorgeht - ein wichtiger konstitutioneller Bestandteil für die Selbstdefinition des Bürgertums und für die Legitimation seiner kulturell und gesellschaftlich führenden Position. Diese herausragende Stellung prädestiniert die bildende Kunst geradezu, bei ästhetisch normativen Neuorientierungen und bei sozialen und politischen Formierungs- und Abgrenzungsprozessen im Bürgertum eine führende Rolle zu übernehmen.

Aus diesem Grunde ist es nicht weiter verwunderlich, dass im Kaiserreich die vordergründig rein ästhetischen Diskussionen über Idealismus, Realismus, Impressionismus und Expressionismus - die zuerst und mit der grössten Öffentlichkeit im Bereich der bildenden Kunst, weniger in der Literatur, im Theater oder in der Musik geführt werden - von zentraler Bedeutung für soziale und politische Auseinandersetzungen des Bürgertums werden. Denn in diese Kämpfe sind nicht nur verschiedene kulturavantgardistische und völkisch- radikale Gruppierungen verwickelt, sondern sogar der Kaiser höchst persönlich mischt sich ein. Ziel dieser Arbeit ist daher eine Analyse der Kunst- und Ästhetikkonzepte der verschiedenen heterogenen Teile des Bürgertums5.

Dabei unterscheidet die vorliegende Untersuchung erstens zwischen dem Kleinbürgertum, das sich aus dem Alten Mittelstand, also aus Handwerkern, kleinen Händlern und Gewerbetreibenden und aus dem Neuen Mittelstand, zu dem vor allem kleine und mittlere Angestellten- und Beamtenlaufbahnen zählen, zusammensetzt6; zweitens zwischen der Bourgeoisie, dem so genannten Wirtschafts- und Besitzbürgertum, das sich aus Kapitalbesitzern, Unternehmern, grossen Kaufleuten und Managern rekrutiert7; und drittens zwischen dem gebildeten Bürgertum, zu dem die hohen Beamten mit akademischer Ausbildung, die Professionen wie Ärzte, Rechtsanwälte oder Architekten und am Rande auch Journalisten, Schriftsteller und Künstler zählen.8


Der in der Forschung gebräuchliche Begriff des "Bildungsbürgertums" soll im übrigen in dieser Untersuchung vermieden werden, da diese ursprünglich abwertend gemeinte Beschreibung erst im 20. Jahrhundert aufkommt; statt dessen wird auf die im 19. Jahrhundert gängige (Selbst-) Bezeichnung "gebildetes Bürgertum" oder "Gebildete" zurückgegriffen.9 Zudem werden mit dem Begriff "Bildungsbürgertum" meistens zwei Analyseebenen vermischt, nämlich die soziale Ebene, die die soziologische Verortung des "Bildungsbürgertums" vornimmt und die ideell- normative Ebene, auf der sozial verbindliche Wert- und Verhaltensregeln beschrieben werden. Die mit diesem Begriff verbundenen Konnotationen beschreiben das gebildete Bürgertum des Kaiserreichs nach 1871 jedoch nur noch unvollständig, da aufgrund der in dieser Arbeit dargestellten Abgrenzungs- und Formierungsprozesse Ende des 19. Jahrhunderts neue soziale, berufliche und kulturelle Orientierungen und Identitäten entwickelt werden, die sich deutlich von dem Selbstverständnis des so genannten "Bildungsbürgertums" der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts unterscheiden. Grundlage dieser Arbeit ist eine an Pierre Bourdieu10 angelehnte These, dass die Analyse der verschiedenen Kunst- und Ästhetikkonzepte im Kaiserreich Aussagen über die Stellung der Akteure im sozialen Raum ermöglicht sowie Hinweise über Auf- und Abstiegsprozesse geben kann. Lebensstile werden allerdings im Gegensatz zu Bourdieu in dieser Untersuchung nicht nur rein funktionalistisch als kulturelle Verkörperung eines positionsabhängigen Nutzenkalküls angesehen, sondern Habitus wird auch als Identität und soziale Distinktion stiftend interpretiert.

Eine Darstellung der ästhetischen Auseinandersetzungen, die im Kaiserreich das gebildete Bürgertum einerseits mit dem Neuen und Alten Mittelstand, andererseits mit dem Kaiser und den Staatsorganen führt, sollte Aufschluss geben über die ökonomischen und normativen Verteilungskämpfe innerhalb des Bürgertums wie auch über die Position der Gebildeten gegenüber dem Kaiser; denn hinter den ästhetischen Konflikten der Jahrhundertwende verstecken sich gleichfalls soziale Abgrenzungs- und Formierungskämpfe zwischen dem gebildeten Bürgertum und dem aufstiegswilligen Alten und Neuen  Mittelstand. Eine Analyse der verschiedenen Kunst- und Ästhetikkonzepte im Kaiserreich ermöglicht daher eine Beurteilung der Chancen des gebildeten Bürgertums, seinen Habitus, seine Normen und Werte als einzig "legitime" durchzusetzen. In gleicher Weise spielen vor dem Hintergrund einer misslungenen politischen Emanzipation die ästhetischen Diskussionen im Kaiserreich eine symbolische Rolle im Kampf des Bürgertums um die gesellschaftliche und politische Anerkennung seiner Interessen. Kultur wird in diesem Sinne nicht nur als reine Widerspiegelung von Politik angesehen. Der politischen Praxis wird vielmehr im "Raum der Lebensstile11 eine gleichberechtigte Stellung neben anderen - untereinander in Relation stehenden - Praxisformen beispielsweise im Bereich der bildenden Kunst, der Literatur oder der Musik zugewiesen. Dabei muss allerdings das komplexe Problem der Beziehung und Vermittlung zwischen politischen und kulturellen Praktiken weitgehend offen bleiben. Vor allem im Zeitraum vor der Jahrhundertwende lassen sich zwar Parallelen, aber kaum direkte Verschränkungen der beiden Bereiche nachweisen. Daher wird in dieser Arbeit versucht, in den ersten Untersuchungsabschnitten stärker auf die sozialen Verteilungskämpfe einzugehen, während der Schwerpunkt nach 1900 auf die Darstellung der nun offensichtlichen Verbindung von Politik und Kultur gelegt wird.

Das grosse Echo, das die ästhetischen Auseinandersetzungen während der Jahrhundertwende erfahren, geht aufgrund der weitreichenden Implikationen über den engen Kreis von Kunstinteressierten hinaus und erhält gesellschaftspolitische Bedeutung, die jedoch von der Forschung bisher kaum beachtet worden ist.12 Die Rolle der bildenden Kunst im Kaiserreich, ihre Verflechtung mit sozialen, ökonomischen und politischen Umstrukturierungsprozessen sowie ihre Entscheidungs- und Steuerungsmechanismen sind bisher noch nicht Gegenstand einer Untersuchung gewesen. Die Geschichte der wilhelminischen Kunst muss noch geschrieben werden.

Gründe für die unzureichende Forschungslage sind vor allem darin zu suchen, dass die bildende Kunst im Deutschen Reich immer wieder unter dem Etikett des Historismus betrachtet und abwertend eingeschätzt worden ist. Der Vorwurf der Stillosigkeit wegen der scheinbaren Austauschbarkeit der Stilmoden und die grosse Zahl der hergestellten Kunstobjekte hat die bildende Kunst des Kaiserreichs in Verruf gebracht und eine intensivere Beschäftigung mit diesem Zeitraum verhindert. Abgesehen von ikonographischen und bedeutungsgeschichtlichen Untersuchungen gibt es kaum Arbeiten über die wilhelminische Malerei und Bildhauerei in Hinblick auf ihre sozialen, ökonomischen und politischen Entstehungs- und Entwicklungsbedingungen. Neue Impulse, die sich nicht auf kunstimmanente Analysen beschränken, kommen vor allem von dem Forschungsprojekt der Fritz - Thyssen - Stiftung zur Kunst des 19. Jahrhunderts13, da dort von der Grundannahme ausgegangen wird, dass bildende Kunst innerhalb des Beziehungsdreiecks "Kunst Staat - Öffentlichkeit" untersucht werden müsse. Dieser sich im wesentlichen auf Spezialuntersuchungen von Teilbereichen konzentrierende Ansatz stellt jedoch keinen Bezug her zu den sozialen und politischen Umstrukturierungen im Kaiserreich und kann daher bei einer Analyse des Stellenwerts von bildender Kunst für Formierungs- und Abgrenzungsprozesse innerhalb des Bürgertums nicht weiterhelfen.

Nicht nur von der Kunstgeschichte, auch von den Historikern sind noch keine grundlegenden Beiträge zur Erforschung von Kunst und Kultur veröffentlicht worden. Zwar hat das Interesse am Kaiserreich seit den sechziger Jahren im Gefolge einer kritisch- emanzipatorischen, sich gegen den konservativen Historizismus wendenden Geschichtsschreibung stetig zugenommen und den Blickwinkel vor allem auf sozio- ökonomische Analysen gelenkt, jedoch wurde gleichzeitig - stark beeinflusst durch die Wiederentdeckung der Schriften Eckard Kehrs
14 - eine Interpretationsrichtung gefördert, die das Kaiserreich nach Wertmassstäben einer Entwicklung beurteilt, 'wie sie eigentlich hätte stattfinden müssen'. Vor allem die so genannte Bielefelder Schule, deren prominenteste Vertreter Hans-Ulrich Wehler und Jürgen Kocka sind, hat in den sechziger und siebziger Jahren das Kaiserreich als einen Staat angesehen, der noch weitgehend von vorindustriellen Eliten beherrscht worden sei, während dem Bürgertum nur eine untergeordnete Rolle zugeschrieben wurde.15 Aufgrund der in Deutschland fehlenden bürgerlichen Revolution habe, so Wehler, die politische Entwicklung nicht mit der ökonomisch- technischen Schritt gehalten. Im  Gegensatz zu anderen Staaten, - im Rahmen des so genannten "deutschen Sonderwegs" - habe das Bürgertum des Kaiserreichs seine Interessen daher nur unzureichend durchsetzen können.16 Unter Zuhilfenahme der Konzepte des "Sozialimperialismus" und der "konservativen Sammlungspolitik17 konstatierte Wehler eine "sozialkonservative, antiemanzipatorische Blockierung gesamtgesellschaftlicher Modernisierung".18

Diese Interpretation, die das Kaiserreich vom Ende der Weimarer Republik her betrachtet, hat einschneidende Folgen für die Analyse des gebildeten Bürgertums und für die von ihm getragene wilhelminische Kultur. So ist die bürgerliche Kultur des Kaiserreichs meist nur als Ausweich- und Fluchtmöglichkeit für die fehlende politische Emanzipation betrachtet worden, ohne deren soziale und politische Relevanz und die Eigendynamik von ästhetischen Auseinandersetzungen zu berücksichtigen. Kultur erhielt in diesem Zusammenhang den Charakter einer ausserhalb des Zeitgeschehens stehenden Erscheinung.

 Wenn man sich jedoch von diesem Interpretationsmodell löst, das heisst die spezifischen politischen Bedingungen im Kaiserreich nicht mit besonderen ideologischen Traditionen einer vorindustriellen Epoche erklärt und zudem die sozialen, politischen und kulturellen Prozesse nicht reduktionistisch auf ökonomische Tatbestände bezieht, sondern diesen Bereichen auch eine autonome Entwicklung mit eigenen inneren Gesetzlichkeiten zuschreibt, dann eröffnen sich neue Perspektiven sowohl bezüglich der Stellung des Bürgertums als auch der bürgerlichen Kultur.
Neue Ansätze, die die früheren Bielefelder Interpretationen modifizieren, sind erstmals Anfang der achtziger Jahre von den englischen Historikern David Blackbourne und Geoff Eley entwickelt worden.
19 Auf der Grundlage einer Kritik der Konzepte vom "deutschen Sonderweg" sowie der Feudalisierungsthese plädieren Blackbourne und Eley für eine Neubewertung der bürgerlichen Werte und Institutionen im Kaiserreich, nach der nicht mehr von einem allgemeinen Niedergang des Bürgertums gesprochen wird, sondern im Gegenteil von einer "lautlosen" bürgerlichen Revolution in ökonomischen und gesellschaftlichen Institutionen.20

Wichtige Impulse sind ebenso vom Arbeitskreis für Sozialgeschichte unter der Leitung Werner Conzes im Rahmen eines Projektes über bürgerliche Professionalisierungsprozesse ausgegangen: die Umstrukturierungen der Berufs- und Ausbildungsfelder der Gebildeten während der Jahrhundertwende werden nun nicht mehr nur als Anpassung an die industriegesellschaftliche Modernisierung verstanden, sondern auch als erfolgreiche Durchsetzung spezifischer sozialer und wirtschaftlicher Interessen des Bürgertums interpretiert.21 Die interessantesten Anstösse kommen jedoch seit Mitte der achtziger Jahre vom Bielefelder Zentrum für interdisziplinäre Forschung, dessen internationaler, fächerübergreifender Ansatz die früheren Erklärungsmuster zunehmend modifiziert und im Sinne Eleys und Blackbournes den Weg für eine revidierte Sicht auf das Bürgertum und seine Kultur ebnet.22

Die vorliegende Arbeit begreift sich als Teil dieser noch nicht abgeschlossenen Diskussion über das Bürgertum im Kaiserreich. Grundlage ist die These, dass die heftigen ästhetischen Kämpfe im Bereich der bildenden Kunst zwischen 1871-1914 ein Teil dieser "lautlosen" Revolution sind, die von den verschiedenen Gruppen des Bürgertums mit dem Ziel geführt wird, trotz einer mangelnden parlamentarischen Mitbestimmung ihre jeweiligen politischen und gesellschaftlichen Interessen weitgehend durchzusetzen.

 

Als Quellenbasis werden in dieser Untersuchung die so genannten Rundschauzeitschriften gewählt. Eine Definition dieses Zeitschriftentyps erweist sich als sehr schwierig aufgrund der vielen konkurrierenden Charakterisierungen. Unter Rundschauzeitschriften, in Abgrenzung zu Tageszeitungen, versteht Walter Hagemann "periodische Druckwerke, die in höchstens vierteljährlichem Rhythmus erscheinen und deren Schwerpunkt nicht auf der Verbreitung aktuellen und universellen Nachrichtenstoffes liegt.23 Nach einer heute gängigen funktionalen Gliederung des deutschen Zeitschriftenwesens in Fachpresse, Standes- und Verbandspresse, Freizeitzeitschriften sowie Kundenzeitschriften bzw. Anzeigenblätter müssten die Rundschauzeitschriften zwischen der Fach- und der Freizeitpresse angesiedelt werden.24

Auch in der Sekundärliteratur des Kaiserreichs selbst besteht keine Einigkeit, ob dieser Typ der politisch- literarischen Zeitschrift als Unterhaltungsblatt, als Fachpresse oder als literarische Zeitschrift/Revue angesehen werden sollte.25 Genauso verwirrend ist die Bezeichnung der Rundschaupresse in der heutigen Sekundärliteratur mal einfach als deutsche Zeitschrift26, mal als politische Zeitschrift27 oder als literarische Zeitschrift28 oder auch integrativ als politisch- literarische Zeitschrift.29

Die funktionstüchtigste Definition hat Wilmont Haacke mit der Einführung eines Zeitschriften- Sondertyps, der National- Revue oder dem National- Journal geliefert. Unter Revuen  versteht er "Zeitschriften, die einen allgemeinen Überblick über wissenschaftliche, literarische oder politische Erscheinungen geben wollen.30 Das Nationaljournal speziell betont seinen deutschen Charakter in Abgrenzung zu anderen Ländern, besonders gegenüber Frankreich. "In einem Nationaljournal," so entwickelt  Haacke einen Idealtyp, "... sollte das geistige Leben der gesamten Nation in periodischem Zyklus anschaulich, unterhaltsam und belehrend, in vornehmer und dennoch allgemeinverständlicher Sprache reflektiert werden.31 Als gelungene Beispiele für eine geglückte Nationalrevue nennt er fürs 18. Jahrhundert Wielands "Teutschen Merkur" (1773-1810) und fürs 19. Jahrhundert die "Deutsche Rundschau", denn beide Zeitschriften erringen zumindest kurzfristig eine nationale Bedeutung als Wert setzende Instanz durch das hohe gebildete und wissenschaftliche Niveau ihrer Artikel, die sich mit allen gesellschaftlichen Problemen von Bedeutung befassen. Auf der Grundlage von Haackes Definition können Rundschauen als repräsentative Foren bürgerlicher Öffentlichkeit angesehen werden.

Die so genannten Familienblätter, wie "Westermanns" oder "Velhagen und Klasings Monatshefte", die "Gartenlaube" oder "Daheim", müssen dagegen aus der Rundschaugruppe ausgegrenzt werden, da dieser Typus in erster Linie auf Unterhaltung seiner Leserschaft angelegt ist, während die Rundschauzeitschriften ihren wissenschaftlichen, bildenden und aufklärerischen Charakter betonen. Ebenso hebt sich die Rundschaupresse von den Partei- und Verbandsorganen ab, da die Nationaljournale zwar durchaus politisch Stellung beziehen, sich aber parteipolitisch nicht binden.

Die Untersuchung der zwischen 1871-1914 im Deutschen Reich vom Bürgertum vertretenen Kunst- und Ästhetikkonzepte erfolgt - unter Berücksichtigung des sozialen und politischen Standortes der Zeitschrift und des Autors - auf der Basis einer vergleichenden Analyse der Kunstpublizistik verschiedener repräsentativer Rundschauen. Diese Wahl hat den Vorteil, dass im Gegensatz zu den reinen Kunstzeitschriften wie etwa der "Zeitschrift für bildende Kunst" (1866-1932), "Kunst für Alle" (1885-1929), "PAN" (1895-1900) oder "Jugend" (1896-1940) die Kunstkritik in den Rundschauen durch die sie umgebende politische, historische und kulturelle Berichterstattung quasi von selbst in ihren gesellschaftlichen und politischen Kontext gesetzt wird. Zudem sind die einzelnen Kunstzeitschriften mit ihrer stark variierenden Auflagenhöhe und ihrem unterschiedlichen Niveau zu vielschichtig, um sie als vergleichbare Grössen analysieren zu können.

Die Rundschauen sind dagegen - nicht nur als besonderer Zeitschriftentyp - wesentlich homogener, da sie trotz ihrer speziellen geographischen Schwerpunkte im ganzen Deutschen Reich gelesen werden und da sie alle die bürgerlichen "Gebildeten" ansprechen wollen, auch wenn sie damit durchaus unterschiedliche Gruppen des Bürgertums meinen. Im Gegensatz zu den sich ausschliesslich an ein kunstinteressiertes Fachpublikum wendenden Kunstzeitschriften ist auch der Leserkreis der Rundschauen viel breiter, allerdings mit der einen Einschränkung, dass das katholische und klein-städtische Bürgertum wahrscheinlich nicht ausreichend vertreten ist.32

Genauere Angaben über die soziale Zusammensetzung der Leserschaft der einzelnen Zeitschriften lassen sich jedoch aufgrund der Zerstörung aller relevanten Archive nicht mehr machen. Trotz der grossen Repräsentativität der Rundschauen als Foren bürgerlicher Interessen kann deshalb der Versuch einer Darstellung sozialer und politischer Formierungs- und Abgrenzungsprozesse im Bürgertum im Spiegel von Zeitschriften nur ein erster Entwurf sein. Die Beschränkung auf Rundschauen, also auf indirekte Quellen, die eine spezielle Form der veröffentlichten Meinung darstellen, birgt zudem die Gefahr einer Überzeichnung in Teilbereichen. Es bleibt daher zu wünschen, dass die vorliegende Arbeit durch regionale und lokale Studien über Kunst- und Museumsvereine sowie über städtische Kulturpolitik im Kaiserreich ergänzt wird.
Obwohl die Rundschauen als wert- und meinungsbildendes Organ der bürgerlichen Öffentlichkeit des Kaiserreichs von der Forschung zunehmend anerkannt und als Quellen benutzt werden, gibt es kaum Literatur, die sich mit der politischen, sozialen und kulturellen Bedeutung dieses Zeitschriftentyps beschäftigt.
33 Die meist publizistischen Arbeiten zu einzelnen Rundschauen orientieren sich hauptsächlich an den Biographien der Herausgeber oder Verleger. Auch die Kritik der Rundschauen im Bereich der bildenden Künste ist bis jetzt noch nicht Gegenstand einer Untersuchung gewesen. Einzige Ausnahme ist die Monographie von Ingrid Koszinowski zum "Kunstwart", deren kunsthistorische Analyse aber den gesellschaftlichen und politischen Kontext ausklammert.34

Grundlage dieser Arbeit soll daher eine vergleichende Beschreibung der Kunstkritik verschiedener Rundschauen vor dem Hintergrund der zeitgenössischen sozialen und politischen Entwicklungen sein, wobei sich diese Darstellung allerdings in der Hauptsache auf die Malerei beschränken muss, da der Bildhauerei und der Architektur nur eine vergleichsweise marginale Beachtung geschenkt wird. In gleicher Weise grenzt das benutzte Quellenmaterial auch den geographischen Untersuchungsraum auf das Deutsche Reich und Österreich ein, obwohl die geschilderten ästhetischen und sozialen Prozesse in einen gesamteuropäischen Zusammenhang gesetzt werden müssen.35

Trotz dieser Einschränkungen sind die Rundschauzeitschriften eine hervorragende Quellenbasis zur Erforschung der kulturellen Praxis des deutschen Bürgertums der Jahrhundertwende. Die Auswahl der zu analysierenden Rundschauen beschränkt sich auf die in dem jeweiligen Untersuchungsabschnitt grössten und wichtigsten und damit repräsentativsten Zeitschriften. Daher werden nicht alle im Kaiserreich existierenden Rundschauen berücksichtigt, und auch nicht alle in dieser Arbeit erwähnten Zeitschriften werden kontinuierlich behandelt. Die Schilderung der Geschichte der Kunstkritik der Rundschauen muss unvollständig bleiben, denn vorrangiges Ziel bleibt ein Beitrag zur Erforschung der sozialen und politischen Abgrenzungs- und Formierungsprozesse des Bürgertums im Kaiserreich.

 

 

 
 

 

 
 

1)  Ekkehard Mai, Expositionen. Geschichte und Kritik des Ausstellungswesens. München, Berlin 1986. 

2)  Johann Joachim Winckelmann, Versuch einer Allegorie, besonders für die Kunst. Dresden 1766.

3)  Die neue Zeitschrift für bildende Kunst und ihr Publikum. Gb. 25.Jg. 1866, I.Sem. Bd.I, S.355-358.

 4)  Siehe auch: Ulrich Engelhardt. "Bildungsbürgertum". Begriffs- und Dogmengeschichte. Stuttgart 1986, S.147 f.

5)  Ein guter allgemeiner Forschungsüberblick sowie eine Problematisierung der Begriffe "Bürgertum", "Bürgerlichkeit" und "bürgerliche Gesellschaft" finden sich bei: Jürgen Kocka, Bürgertum und bürgerliche Gesellschaft im 19. Jahrhundert. Europäische Entwicklungen und deutsche Eigenarten. in: ders. (Hrsg.), Bürgertum im 19. Jahrhundert. Deutschland im europäischen Vergleich. München 1988, Bd.1, S.11-76; ders., Bürgertum und Bürgerlichkeit als Probleme der deutschen Geschichte vom späten 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert. in: ders. (Hrsg.), Bürger und Bürgerlichkeit im 19. Jahrhundert. Göttingen 1987, S.21-63.

6)  Zum Kleinbürgertum siehe: Hans- Gerd Haupt, (Hrsg.), Bourgeoisie und Volk zugleich? Zur Geschichte des Kleinbürgertums im 19. und 20. Jahrhundert. Frankfurt/M 1978; ders. (Hrsg.), Die radikale Mitte. Lebensweise und Politik von Handwerkern und Kleinhändlern in Deutschland seit 1848. München 1985; Stein, Gerd (Hrsg.), Philister - Kleinbürger - Spiesser. Normalität und Selbstbehauptung. Kulturfiguren und Sozialcharaktere des 19. und 20. Jahrhunderts. Bd.4, Frankfurt/M 1985; Berthold Franke, Die Kleinbürger. Begriff, Ideologie, Politik. Frankfurt/M 1988.

 7)  Zur Bourgeoisie vgl: Jürgen Kocka, Unternehmer in der deutschen Industrialisierung. Göttingen 1975; Hansjoachim Henning, Soziale Verflechtungen der Unternehmer in Westfalen 1860-1914. in: Zeitschrift für Unternehmensgeschichte, 23.Jg. 1978, S.1-30; Richard Tilly (Hrsg.), Beiträge zur quantitativen vergleichenden Unternehmensgeschichte. Stuttgart 1985; Dolores Augustine Perez, Very Wealthy Businessmen in Imperial Germany. in: Journal of Social History 22 (1988), Heft 2, S.299-321.

8)  Zum gebildeten Bürgertum vgl: Hansjoachim Henning, Das westdeutsche Bürgertum in der Epoche der Hochindustrialisierung 1860-1914. Soziales Verhalten und soziale Strukturen. Teil I: Das Bildungsbürgertum in den preussischen Westprovinzen. Wiesbaden 1972; Klaus Vondung (Hrsg.), Das wilhelminische Bildungsbürgertum. Zur Sozialgeschichte seiner Ideen. Göttingen 1976; Hannes Siegrist (Hrsg.), Bürgerliche Berufe. Zur Sozialgeschichte der freien und akademischen Berufe im internationalen Vergleich. Göttingen 1988; Bildungsbürgertum im 19. Jahrhundert. Teil 1:  Bildungssystem und Professionalisierung in internationalen Vergleichen. Hrsg.v. Werner Conze/ Jürgen Kocka, Stuttgart 1985; Teil 2: Bildungsgüter und Bildungswissen. Hrsg.v. Reinhart Kosellek, Stuttgart 1989; die Teile 3 und 4 dieser Reihe, herausgegeben von Rainer M. Lepsius und Jürgen Kocka werden bis Anfang 1991 erscheinen. 

9)  Engelhardt, Bildungsbürgertum. S.188 ff.

10)  Pierre Bourdieu, Die feinen Unterschiede. Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft. 2.Aufl., Frankfurt/M 1982; ders., Sozialer Raum und >Klassen<. Leçon sur la leçon. Frankfurt/M 1985. - Zur Kritik an  Bourdieus rein funktionalistisch ausgerichteter Interpretation seiner "Oekonomie der praktischen Handlungen" vgl.: Axel Honneth, Die zerrissene Welt der symbolischen Formen. Zum kultursoziologischen Werk Pierre Bourdieus. in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie. Jg. 36, 1984, S. 147-164.

11)  Bourdieu, Die feinen Unterschiede, S.277 ff.

12) Ausnahme ist die sich auf Berlin beziehende Arbeit von: Peter Paret, Die Berliner Secession. Moderne Kunst und ihre Feinde im Kaiserlichen Deutschland. Berlin 1981.

13)  Ekkehard Mai/ Stephan Waetzoldt (Hrsg.), Kunstverwaltung, Bau- und Denkmal- Politik im Kaiserreich. Berlin 1981; Ekkehard Mai/ Hans Pohl/Stephan Waetzoldt (Hrsg.), Kunstpolitik und Kunstförderung im Kaiserreich. Kunst im Wandel der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Berlin 1982; Ekkehard Mai/ Stephan Waetzoldt/ Gerd Wolandt (Hrsg.), Ideengeschichte und Kunstwissenschaft im Kaiserreich. Berlin 1983; Horst Ludwig, Kunst, Geld und Politik um 1900 in München. Formen und Ziele der Kunstfinanzierung und Kunstpolitik während der Prinzregentenära (1886-1912). Berlin 1986; Christopher B. With, The Prussian Landeskunstkommission 1862-1911: A Study in State Subvention of the Arts. Berlin 1986.

14)  Eckart Kehr, Der Primat der Innenpolitik, hrsg.v. H.-U. Wehler, West- Berlin 1965.

 15)  Hans- Ulrich Wehler, Das deutsche Kaiserreich 1871-1918, 4.Aufl., Göttingen 1980; Jürgen Kocka, Ursachen des Nationalsozialismus. in: Politik und Zeitgeschichte. Beilage zur Wochenzeitung "Das Parlament" v. 21.6.1980.

16) Die beste Zusammenfassung der Diskussion über die zunehmend bezweifelte These vom "deutschen Sonderweg" bietet: Helga Grebing, Der "deutsche Sonderweg" in Europa 1806-1945. Eine Kritik, Stuttgart 1986; siehe auch: Jürgen Kocka, German History before Hitler. The Debate about the German "Sonderweg". in: Journal of Contemporary History 23, 1988, S.3-16.

 17) Zur Kritik dieser beiden Konzepte siehe: Geoff Eley, Sammlungspolitik, Social Imperialism and the Navy Law of 1898, in: From Unification to Nazism. Reinterpreting the German Past. London/Sydney 1986, S.110-153; ders., Social Imperialism in Germany: Reformist Synthesis or Reactionary Sleight of Hand?, in: From Unification to Nazism. S.154-167.


18)  Wehler, Das Deutsche Kaiserreich, S.66.

1
9)  David Blackbourne/ Geoff Eley, The Peculiarities of German History. Bourgeois Society and Politics in Nineteenth Century Germany. Oxford/New York 1984 (revidierte englische Fassung).

20)  David Blackbourne, The Descreet Charme of the German Bourgeoisie. in: ders., Populists and Patricians. Essays in Modern German History. London 1987, S.67-83.

21)  W. Conze/ J. Kocka (Hrsg.), Bildungsbürgertum im 19. Jahrhundert. Teil 1: Bildungssystem und Professionalisierung.

 22)  Vgl. dazu vor allem die einzelnen Beiträge in den Aufsatzsammlungen von Jürgen Kocka (Hrsg.), Bürgertum im 19. Jahrhundert. 3 Bde., München 1988; Ute Frevert (Hrsg.),  Bürgerinnen und Bürger. Geschlechterverhältnisse im 19. Jahr-hundert. Göttingen 1988; Dieter Langewiesche (Hrsg.), Liberalismus im 19. Jahrhundert. Deutschland im europäischen Vergleich. Göttingen 1988; Hannes Siegrist (Hrsg.), Bürgerliche Berufe. Zur Sozialgeschichte der freien und akademischen Berufe im internationalen Vergleich. Göttingen 1988.

23)  Walter Hagemann (Hrsg.), Die deutsche Zeitschrift der Gegenwart, Münster 1957, S. 8; Hans Martin Kirchner, Gedanken zur Definition der Zeitschrift. in: Publizistik 5.Jg. 1960, S. 14-20; vgl. auch die kritische Gegenüberstellung von Definitionen durch Karl H. Salzmann, Emil Dovifat und Ernst Herbert Lehmann in: Hans Bohrmann/Peter Schneider, Zeitschriftenforschung.  Ein wissenschaftsgeschichtlicher Versuch. Berlin 1975. 

24)  Hagemann, Deutsche Zeitschrift, S. 8: unter Fachpresse versteht Hagemann Zeitschriften, die "dem Einzelmenschen bei der Ausübung seines Berufes helfen, ihm alle neuen Erkenntnisse, Verfahren, Vorgänge auf seinem Fachgebiet in belehrender oder informierender Form mitteilen." Die Standes- und Verbandspresse ist ein "Kommunikationsmittel zur Integration, Aussprache, Verteidigung und Werbung in religiös- weltanschauliche, nationale, kommunale, politische, wirtschaftliche und Geselligkeitsverbände". Mit Freizeitzeitschriften beschäftigt sich der Leser "unabhängig von Beruf, Stand und Organisation in seiner Freizeit", wobei Hagemann in diese Gruppe auch politische Zeitschriften einordnet, sofern es sich nicht um Führungs- oder Funktionärsorgane handelt.

25  Rüdiger vom Bruch, Kunst und Kulturkritik in Zeitschriften des Kaiserreichs. in: Ideengeschichte und Kunstwissenschaft im Kaiserreich, Hrsg.v. Ekkehard Mai/ Stephan Waetzoldt/ Gerd Wolandt, Berlin 1983, S.313-347, bes. S.316.

26)  Hans-Dietrich Fischer (Hrsg.), Deutsche Zeitschriften des 17.- 20. Jahrhunderts. Pullach bei München 1973; Hans Martin Kirchner, Das deutsche Zeitschriftenwesen. Seine Geschichte und seine Probleme. Teil II. Wiesbaden 1962; Kurt Koszyk, Deutsche Presse im 19. Jahrhundert. Berlin 1966.

 27)  Wilmont Haacke, Die Politische Zeitschrift 1665-1965. Bd.1, Stuttgart 1968.

 28)  Fritz Schlawe, Literarische Zeitschriften. Teil I. 1885-1910, 2.Aufl. Stuttgart 1965; Teil II. 1910-1933. 2. Aufl. Stuttgart 1973. 

 29)  Harry Pross, Literatur und Politik. Geschichte und Programme der politisch- literarischen Zeitschriften im deutschen Sprachgebiet seit 1870. Olten/Freiburg i.Br. 1963; Paul Hocks/ Peter Schmied, Literarische und politische Zeitschriften 1789-1905. Stuttgart 1975. 

30)  Wilmont Haacke, Der Zeitschriftentypus Revue. in: Börsenblatt für den deutschen Buchhandel 1970, Heft 43, Historischer Teil 78, S.1256 1266, hier: S.1256.

31)  Haacke, Revue, S.1256.

32)  Vgl.: Die Verbreitung der "Deutschen Rundschau" nach Städten beim Beginn ihres zweiten Jahrgangs. DRu 2.Jg. Januar 1876, S.161-164.

33)  Ausnahmen sind die Ueberblicksartikel von: Rüdiger vom Bruch, Kunst und Kulturkritik in führenden bildungsbürgerlichen Zeitschriften des Kaiserreichs. in: Ideengeschichte und Kunstwissenschaft im Kaiserreich. Hrsg. v. E. Mai, S. Waetzoldt, G. Wolandt, Berlin 1983, S.313-347; Karl Ulrich Syndram, Rundschauzeitschriften. Anmerkungen zur ideengeschichtlichen Rolle eines Zeitschriftentyps. in: ebd., S.349-370; ders., Kulturpublizistik und nationales Selbstverständnis. Untersuchungen zur Kunst- und Kulturpolitik in den Rundschauzeitschriften des Deutschen Kaiserreichs (1871-1914). Berlin 1989.

 34)  Ingrid Koszinowski, Von der Poesie des Kunstwerks. Zur Kunstrezeption um 1900 am Beispiel der Malereikritik der Zeitschrift "Kunstwart". Hildesheim/ Zürich/New York 1985.

35)  Ein international orientierter Ueberblick des behandelten Zeitraumes findet sich bei: Eric J. Hobsbawm, Das imperiale Zeitalter 1875-1914. Frankfurt /M, New York 1989.